VON VOLKER KÜBLER TUNINGEN Im Teinosaal in Tuningen. Ein großer, schon etwas betagter Flügel, farbenprächtiger Blumenschmuck umrahmt das niedrige Bühnenpodest. Die Abendsonne blinzelt durchs Fenster in die Gesichter des Publikums, als wollte sie allen verkünden: »Veronika, der Lenz ist da«.  

Festlich gewandet im Smoking und mit schwarzen Lackschuhen betreten sieben Männer mittleren Alters die Bühne. Ein leises Ansummen der Melodie, und es erklingt das erste Lied der Stimmvirtuosen. »Veronika, der Lenz ist da« , also doch.
Dies ist der Auftakt zu einer musikalisch hervorragenden, ausgefeilten Gesangsdarbietung, wie man sie selten erlebt. Sie nennen sich die »Comedy Brothers« und wandeln auf den Spuren der »Comedian Harmonists«, jene Herren, die als erste deutsche »Boygroup« in den 20er- und 30er-Jahren mit ihrer Musik weltweit für Furore sorgten.
Merklich nervös agieren die Akteure zu Beginn des Konzerts, was mitunter an der ungewohnten Klavierbegleitung liegt. Die »Comedy Brothers« absolvierten bis dato fast ausschließlich A-Capella-Auftritte. Doch gerade das Klavier, nuancenreich und perlend leicht gespielt von Professor Dr. Hans-Walter Berg, verleiht dem Vortrag noch mehr Authentizität, traten doch die Originale in der Vorkriegszeit stets mit dem Tasteninstrument an ihrer Seite auf.
Die »Jungs« steigern sich von Stück zu Stück und , getragen vom begeisterten Beifall der Zuhörer , laufen in der Folge zu Höchstform auf. Mit einem zunächst zurückhaltenden, aber glockenrein harmonischen Gesamtklang bringen sie ihr Repertoire auf die Bühne.
Natürlich hat man das alles schon gehört, sind die Schmunzler in diesen Evergreens vorprogrammiert. Doch Matthias Listmann (erster Tenor und musikalischer Leiter), die Tenöre Jochen Schlenker, Dieter Bach und Michael Bühler, Bariton Mark Zube sowie Siegfried Lemke und Holger Wolf (Bass) sind klug genug, das Potpourri zwischen Witz und Wehmut nicht albern herunterzuleiern.
Die dezenten Liebeslieder berühren und treffen mitten ins Herz. Da wird kein Schmalz zugegeben, werden keine Faxen gemacht oder der Ton ironisch gejault. Da schwebt nur das feine Lied im Raum, bezaubernd. Der Spaß hat an anderer Stelle Platz. Und zwar, nachdem Professor Dr. Hans-Walter Berg seine Virtuosität mit einigen klassisch-romantischen Klavierstücken von Brahms, Dvorak und Ernst Fischer unter Beweis stellte, im zweiten Teil des Konzerts.
Endlich ist sie da, die Lockerheit und Leichtigkeit, die ausdrucksstarke Mimik und Gestik, das komödiantische Talent, all das, was ihre Vorbilder so berühmt machte. Besonders rein und oft führend, ohne jedoch beherrschend zu wirken, ist Matthias Listmann präsent. Seine Ausbildung und Erfahrung als Berufsmusiker schlägt durch. Doch auch seine Sangeskollegen machen als »Laien« deutlich, dass sie vom Fach sind.
Zwischen Wehmut und Sehnsucht, Eleganz und witzigen Exkursen wird der Abend von Veronikas Lenz über den hinreißend Guten Mond, zwischen der haltlosen Liebe der Matrosen, dem unvermeidlich stechenden Kaktus und dem doch so gestressten Mann, der lieber ein Huhn wär', zur anspruchsvollen Kurzweil.
Die sieben Stimmkünstler sonnten sich mit qualitätsvollem Gesang im Glanz der Harmonists. Zur perfekten Illusion fehlte nur das Knistern der Schellack-Platten. Eine nostalgisch schöne Atmosphäre, von der sich die Konzertbesucher nur sehr schwer trennen mochten. Mit ihrem ausdauernden Beifall erzwangen sie vier Zugaben, und wäre das Ensemble nach zwei Stunden nicht völlig erschöpft gewesen, wer weiß, wie lange der Abend noch gedauert hätte. Fürwahr , ein ganz besonderes Hörerlebnis.